8:0 gegen SV Baumheide - Trotz Kantersieg der "Riserva" darf man auf hohem Niveau meckern!

(sm) Obwohl man nach den Toren von Alexander "Speedster" Schulze und Mirko "Balkan-Bomber" Cacic (je 2), Marc Wittler, Alexander Lorenz, Felix Scharf und Tom Friedrich hochverdient mit 8:0 gewann und dabei das dritt höchste Ergebnis der aktuellen Spielzeit erzielte, durfte man beim kleinen Waldbadexpress nicht rundum zufrieden sein. Am Ende wäre ein weitaus höherer Sieg möglich gewesen.

Sturm und Regen hielt der Sonntagmittag für die Mannen um das Trainerduo Pantel und Friesen bereit, doch im Regen stehen sollten die Waldbadkicker nach dem Spiel gegen den schwer auszurechnenden Gegner vom Leineweberring am Ende nicht. Auch konnten die Coaches des in der Rückserie bisher zwei Mal erfolgreichen kleinen Waldbadexpresses wieder auf einige Akteure zurückgreifen, die bei der Partie in Ubbedissen gefehlt hatten. Andererseits fielen mit Lars Trapp und Fabio Schiprowski zwei derjenigen Spieler aus, die über den bisherigen Saisonverlauf hinweg dem Inneren Gefüge der Mannschaft Stabilität und ein Gesicht gegeben hatten. Mit Maximilian Koller und "Speedster" Alex Schulze kehrten zwei der Akteure ins Team zurück, die zuletzt mit ordentlichen bis starken Leistungen zu dem bisher erfreulichen Verlauf der Rückrunde beigetragen hatten. Unter der Woche hatte man "leidlich" am Glück des Tüchtigen gearbeitet, insbesondere am vergangenen Freitag brachte man nur gut 12 Akteure für den abschließenden Performance-Test vor dem Spieltag auf das Parkett. Dennoch durften die Trainer der "Zwoten" am Spieltag 16 Aktive begrüßen, die dem tabellarischen Vorvorletzten die Punkte abknöpfen und am Waldbad behalten sollten.

 

Vor Keeper Mahne, der heute die "0" festhalten sollte, agierte der von Woche zu Woche stärker werdende Alexander Klimusch mit dem erneut stark aufspielenden und nie aus der Ruhe zu bringenden Felix Scharf in der Innenverteidigung. Die Außenverteidigung bemannten Burhan Tokman, der nach gutem Beginn im zweiten Durchgang zu eigensinnig wurde und Tom Friedrich, der zu den auffälligsten Sennern auf dem Platz gehörte und einen sehr schönen Treffer erzielte. Auf den Außenbahnen liefen Maximilian Koller und Alexander Schulze auf, wobei Koller eine starke Abstimmung mit dem agilen Friedrich zeigte, womit die linke Flanke stets brandgefährlich war. Schulze erzielte bei sehr ordentlichem Auftritt zwei Treffer, hatte aber mindestens zwei weitere auf dem Fuß. Die Zentrale um Kapitän Alexander Lorenz und Mirko Cacic spielte ein starkes Anfangsdrittel mit guten Spielzügen und zahlreichen Torabschlüssen, agierte dann aber zu unkonzentriert und einseitig, sodass insbesondere im zweiten Durchgang die Fehlerquote erheblich zunahm. Maximilian Neumann erhielt die Chance von Beginn an auf der 10, blieb aber weitestgehend unauffällig. Oftmals stark in Szene gesetzt wurde Sturmspitze Marc Wittler, allerdings ließ der "Silencer", der anundfürsich durch seine Eiseskälte bei der Verwandlung von Torchancen berüchtigt ist, gut vier bis fünf Hochkaräter liegen und musste sich mit dem Treffer zum 3:0 zufrieden geben. Mit Marcel Schmidt, Umut Yamaci, Benjamin Panguene, Jan-Hendrik Rüter und Maximilian Fabry hatten Pantel und Friesen eine sehr ordentlich besetzte Reservebank.

 

Den Gegner aus Baumheide konnte man kaum ausrechnen, allerdings datierte der letzte Punktgewinn der Gäste aus dem vergangenen Herbst, sodass man sich der deutlichen Favoritenrolle kaum erwehren konnte. Dennoch hatte man das Hinspiel auf dem katastrophalen Acker des Leineweberring nur mit Mühe und einer ordentlichen Portion Glück 2:1 gewonnen, wobei der Anschlusstreffer der Baumheider quasi mit dem Schlusspfiff gefallen war.

 

Die Senner lieferten mit Anpfiff zunächst eine Neuauflage ihres zuletzt recht erfolgreichen Pressings, die Gäste konnten sich auf dem kleinen Senner Kunstrasen nur mit weiten Bällen befreien, die aber vorläufig meistens ins Seitenaus gingen. Bereits nach einer Minute hat der perfekt freigespielte Marc Wittler freien Weg zum Tor, scheitert aber am gut parierenden Baumheider Schlußmann im eins-gegen-eins. Die Waldbadéquipe ließ das Leder munter und flüssig sowie zu diesem Zeitpunkt erfreulich fehlerfrei durch die eigenen Reihen laufen, sodass die Gäste selten an den Ball kamen und durch flexibles Flankenspiel immer wieder gefährliche Situationen kreiert werden konnten. Ebenfalls gut gelingende Schüsse aus der zweiten Reihe, insbesondere von Mirko Cacic, können aber vorläufig noch geklärt oder gerettet werden. Nach sechs Minuten ist es wieder der "Silencer", Marc Wittler, der perfekt in den Sechzehner frei gespielt wird, im eins-gegen-eins aber nur den kurzen Pfosten trifft. Doch "Speedster" Schulze hat aufgepasst und knipst den Abpraller zur Senner 1:0-Führung.

 

Senne ist deutlich im Vorteil, spielt gefällig und meistens schnörkellos vorne rein, verpasst aber im Folgenden zahlreiche Treffer durch teils grobe Unkonzentriertheiten. So müssen Wittler, Cacic, Schulze, Tokman und Koller aus aussichtsreichen Positionen eigentlich umgehend weitere Treffer erzielen, scheitern aber unplatziert am Torwart, an gegnerischen Verteidigern auf der Linie oder versenken den Ball z.T. spektakulär neben dem Tor. Bis zur 19. Spielminute dauert die Gala der vergebenen Gelegenheiten, ehe Kapitän Alexander Lorenz im Doppelpass mit Mirko Cacic durch die offene Mitte laufen und aus gut 16 Metern das Tor zum 2:0 erzielen kann. Nur kurz darauf kann Marc Wittler auf 3:0 erhöhen, die Gäste waren bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal an den Senner Sechzehner vorgedrungen sondern scheiterten spätestens bei den sicher agierenden Klimusch und Scharf, die mehr und mehr als Zweierkette agierten, da sich die beiden Außenverteidiger Friedrich und Tokman mangels Aufgaben zunehmend in die eigene Offensive einschalteten. Doch das 3:0 nach gut zwanzig Minuten wirkte sich negativ auf die Konzentration und Spannung in den Reihen der Waldbadkicker aus. Zwar gelangen immer mal wieder schöne Kombinationen über zahlreiche Stationen und insbesondere zwischen den gut harmonierenden Koller und Friedrich, aber der Wille, das Tor unbedingt sicher erzielen zu wollen, der ging immer mehr verloren. Auch wurde mit dem Wunsch, einen eigenen Treffer zu erzielen, immer eigensinniger und teils ohne den Blick für den besser positionierten Mitspieler agiert, sodass trotz zahlreicher guter Gelegenheiten, keine weiteren Senner Tore mehr fielen. Die drückende Überlegenheit der "Riserva" und die einsetzende "Hacke-Spitz-Polonaise" der Südbielefelder befeuerte den Frust bei den sich nach Kräften mühenden Gästen, wodurch es zu mehreren Frustfouls und härterem Einsteigen gegen Senner Akteuren kam. Mirko Cacic nutzte einen Freistoß aus 18 Metern, um die nur unzureichend ausgestattete Mauer zu überwinden und das 4:0 zu erzielen. Nach einem Eckstoß ist der starke Felix Scharf vorne drin mit von der Partie und köpft zum 5:0 ein. Zwischen den nur spärlich fallenden Senner Treffern ein ums andere Mal dasselbe Bild: Beste Gelegenheiten aus noch besseren Positionen zum Tor werden teils fahrlässig vergeben, irgendwie spielten die Jungs in Blau zwar weiterhin gefällig und auch zielstrebig, aber vorne drin scheiterte man einfach zu häufig an eigenem Unvermögen.

 

Zur Pause richtete Jonny Friesen zwar einen Appell an Disziplin und Konzentration, zumal auf dem kleinen Kunstrasen der bpi-Arena auch Gegentore manchmal schneller fallen, als einem lieb ist, aber die Worte verpufften insgesamt. Der Gegner wurde trotz anerkennenswerter Gegenwehr und deutlichem Bemühen im zweiten Durchgang, das Ergebnis nicht zweistellig werden zu lassen, nicht mehr ernst genommen. Eigensinnig wurden kaum zweckmäßige Dribblings und Zweikämpfe gesucht, die die Gäste in eigenem Streben nach einem Ehrentreffer dann auch noch gewannen, sodass die Ostbielefelder zu gut und gerne drei brauchbaren Chancen kamen. Klar kam der kleine Waldbadexpress gegen die nun insgesamt höher verteidigenden Gäste weiter zu guten Chancen, aber insgesamt waren diese etwas rarer gesät als noch im ersten Durchgang. Erst eine Viertelstunde nach Wiederanpfiff ist es Tom Friedrich, der eine hohe Vorhergabe von rechts stark annimmt, Maß nimmt und die Kugel dann aus ca. 14 Metern unhaltbar im langen Eck unterbringt. Friedrich verließ den Platz dann für Benjamin Panguene, der sich langsam wieder an seine Lesitungen von vor der Winterpause heranarbeitet.

 

Unterm Strich waren die Senner im zweiten Durchgang weniger präsent und insgesamt deutlich anfälliger für Ballverluste, das änderte aber nichts daran, dass man immer wieder zu guten Gelegenheiten kam, die man aber einfach fahrlässigst versiebte. Alexander Schulze kann einen Abstauber zum 7:0 einsenden, dann kam für ihn Maximilian Fabry, der gleich drei Mal von seinen Teamkollegen mustergültig auf die Reise geschickt wurde, ein Treffer wollte dem "Diggi" aber einfach nicht gelingen...;-)

 

Insgesamt fabrizierten die zuletzt so starken und routinierten "Sechser" dann auch ihre Fehler, sodass Klimusch und Scharf in der Innenverteidigung mehr gefordert waren, als ihnen lieb gewesen sein dürfte, beide hielten aber den Kurs bis kurz vor dem Ende.

 

Fünf Minuten vor dem Abpfiff wurde Marc Wittler, der wohl auch sonst den scharf gespielten Ball nicht mehr erreicht hätte, im Sechzehner ein Bein gestellt, sodass der Schiedsrichter auf den Punkt zeigte. "Balkan-Sonnenschein" Cacic nahm's humorlos und knallte die Kugel in die Maschen, mit dem 8:0 waren die Gäste insgesamt gut bedient, wie gesagt, man wehrte sich nach Kräften, was man angesichts des klaren Verlaufs anerkennen muss. Gerade die Senner hatten zum Ende der vergangenen Spielzeit einige Partien bestritten, bei denen man diese "Moral" eindeutig absprechen konnte. Naja, das ist zum Glück Vergangenheit.

 

Nachdem die Senner in der Schlussviertelstunde einige Bälle in der Defensive nur mit Mühe wegbekommen hatten, unterlief mit Felix Scharf, einem der bis dahin besten Sennern, ein Lapsus, als er beim Abspiel einen eher halbherzig attackierenden Gästeakteur anschoss und der Abpraller bei einem mutterseelenalleine 20 Meter vor dem Senner Tor dahin sinnierenden Gästeangreifer landete. Keeper Mahne ist somit in der letzten Aktion des Spiels erstmalig ernsthaft gefragt und kann die Situation im eins-gegen-eins auf Kosten einer Ecke entschärfen. Nachdem der Eckstoß geklärt ist, pfeift der Referee die Partie überpünktlich ab und es bleibt beim hochverdienten, am Ende aber dann doch etwas unbefriedigenden 8:0-Sieg des kleinen Waldbadexpresses.

 

Wenn man nach einem 8:0-Heimsieg dennoch reichlich zu nörgeln hat, dann kann man das als "Klagen auf hohem Niveau" abtun, oder eben als Ansporn, das noch reichlich vorhandene Potential konzentriert weiterzuentwickeln. Nicht weniger als 19 Großchancen wurden auf der Senner Bank zur Kenntnis genommen, dabei Situationen, in denen es schwieriger war, den Ball nicht ins Tor zu schießen, als anders herum. Eine Woche zuvor, gegen einen Gegner auf Augenhöhe, lag die Trefferquote bei deutlich über 50%, ein recht ordentliches Niveau - vielleicht auch eine Frage individueller Klasse. Dass die Spannung in der zurückliegenden Partie nach dem 3:0 gegen einen wenig spielstarken Gegner so abfällt, kann man vielleicht nach zwei Partien, in denen man insgesamt hochkonzentriert agierte, verstehen, allerdings findet sich insbesondere in dieser Sachlage der deutlich vorhandene "Room for improvement".

 

Die Konzentration im Moment des Torabschlusses ist etwas, das man im Training nur schwer trainieren kann, da die Rahmenbedingungen des Wettkampfes fehlen, die psychologisch von wesentlicher Bedeutung sind. Ich bin ja selber regelmäßig Leidtragender, wenn ich im Rahmen der Übungseinheiten mehr oder minder durch das Gehäuse gejagt werde, viele der "Geschosse" aber unerreichbar sind. Die Leichtigkeit- und Unbedarftheit stimmen da eben. Training schafft zwar (wesentliche) Voraussetzungen und ist für viele Faktoren ausschlaggebend, gerade im Torabschluss oder eben der Verhinderung, sind aber noch andere Dinge ausschlaggebend. Am Ende kommt es wohl darauf an, dass man "es" unbedingt will und sich darauf fokussiert.

 

Unterm Strich bleibt aber festzuhalten, dass der kleine Waldbadexpress weiter "marschiert". Nachdem der "Meister in spe", die Reserve aus Amshausen, die Aufgabe bei KF Kosova denkbar knapp aber erfüllt hat und mit Sennestadt ein weiterer Konkurrent auf Platz 2, Punkte beim Tabellenvorletzten aus Oldentrup gelassen hat (in dieser Liga ist absolut kein Team zu unterschätzen!!), ist die Senner "Riserva" für den Moment alleiniger Inhaber des Relegationsplatzes. Hinzu kommt, dass am nächsten Spieltag, der Drittplatzierte Kosova nach Ubbedissen und Ortsnachbar Sennestadt zur schweren Partie in Amshausen antreten muss. Die Senner Zwote hat mit der Dritten aus Quelle einen ebenfalls kaum auf die leichte Schulter zu nehmenden Gegner am Waldbad. Die vielen Erfolge der Teams aus dem Tabellenmittelfeld und den unteren -bereichen gegen die vermeintlichen Teams aus der oberen Tabellenregion sollten Warnung genug sein, absolut keinen Gegner zu unterschätzen. Auch dürfte es wieder spannend werden, auf wen das Trainerduo Pantel und Friesen letztendlich zugreifen kann und wer ausfällt. Fragen über Fragen - Antworten gibt es am Sonntag um 13:00 Uhr!

 

Man of the Match: Felix Scharf